Das Wichtigste in drei Punkten
- MiCAR-Frist läuft aus. Zum 1. Juli 2026 endet die EU-weite Übergangsfrist für die Krypto-Verordnung MiCAR - ohne Verlängerung. Plattformen ohne Lizenz müssen ihre Dienste für EU-Kunden einstellen. In Deutschland geht die BaFin schon seit Ende 2025 gegen nicht-lizenzierte Anbieter vor. (1)
- Das Finanzamt sieht jetzt mit. Seit Januar 2026 gilt das Kryptowerte-Steuertransparenzgesetz. Börsen melden deine Transaktionsdaten künftig automatisch - die erste Übermittlung an die Behörden erfolgt 2027 für das Jahr 2026. (2)
- USA ringen um Stablecoin-Regeln. Im US-Senat steht das große Krypto-Gesetz (CLARITY Act) kurz vor der Abstimmung. Streitpunkt: ob es Zinsen auf Stablecoin-Guthaben geben darf. Das betrifft mittelbar, welche Produkte global angeboten werden. (3)
Was sich geändert hat
MiCAR ist die einheitliche europäische Krypto-Verordnung und seit Ende 2024 vollständig in Kraft. Das Neue ist jetzt die Durchsetzung: Wer Kryptowerte-Dienstleistungen für EU-Kunden anbietet, braucht ab dem 1. Juli 2026 eine Lizenz. Auch ein bereits gestellter, aber noch nicht beschiedener Antrag hilft nicht mehr. (1) Für dich heißt das praktisch: Plattformen ohne MiCAR-Lizenz können ihren Zugang für EU-Kunden einschränken oder ganz schließen.
Steuerlich bleibt der Rahmen aus dem BMF-Schreiben vom März 2025 maßgeblich: Krypto-Gewinne sind nach einem Jahr Haltefrist steuerfrei, davor mit dem persönlichen Steuersatz zu versteuern; Staking- und Lending-Erträge zählen bei Zufluss als sonstige Einkünfte. (5) Neu ist vor allem die Sichtbarkeit: Durch die automatische Meldung fällt eine unvollständige Steuererklärung künftig schneller auf. (2)
Betrifft mich das?
Drei Dinge lohnt es sich jetzt zu prüfen - ohne dass dies eine Beratung im Einzelfall ersetzt:
- Plattform-Check. Nutzt du eine Börse oder einen Dienstleister, der in der EU keine MiCAR-Lizenz hat? Dann kann sich dein Zugang im Lauf des Quartals ändern. Ein Blick auf den Lizenzstatus deines Anbieters lohnt sich.
- Dokumentation. Da deine Daten künftig automatisch gemeldet werden, sollte deine eigene Aufzeichnung dazu passen. Saubere Transaktionsübersichten und Steuerreports sind die Grundlage - das Finanzamt gleicht ab.
- Stablecoin-Rendite. Falls du Stablecoins als verzinsten Baustein nutzt: Die Regeln dazu sind international in Bewegung. Erträge, die heute fließen, können künftig anders behandelt werden.
Ausblick
Im nächsten Quartal wird sich zeigen, wie konsequent die Aufsicht gegen nicht-lizenzierte Anbieter vorgeht und ob der US-Senat das Krypto-Gesetz verabschiedet. Beides kann das praktische Angebot an Plattformen und Produkten spürbar verändern. Wir berichten in der nächsten Ausgabe.
Mehr Tiefe im Pro-Tier
Die juristische Vollanalyse mit den konkreten Normen (MiCAR-Artikel, KMAG, KStTG, BMF-Schreiben), den zivilrechtlichen Folgen und einer detaillierten Einordnung für Family Offices und Semi-Pros liegt im GOTARIS Regulatory Briefing - Teil des Pro-Tiers.
Hinweis: Dieser Überblick ist eine allgemeine Einordnung des Regulierungsumfelds und keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall. Rechtsstand: 18. Juni 2026.
Quellen
- PwC Legal, MiCAR-Stichtag 1. Juli 2026, 5. Juni 2026. Link
- BZSt, Crypto-Asset Reporting Framework (CARF/DAC8) - Verfahren; KStTG. Link
- Latham & Watkins, US Crypto Policy Tracker, Stand Juni 2026. Link
- BaFin, MiCAR-Übersicht; Verordnung (EU) 2023/1114. Link
- BMF-Schreiben vom 6. März 2025, GZ IV C 1 - S 2256/00042/064/043, BStBl 2025 I S. 658. Link