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 Gotaris Insights

Iran-Krieg zieht sich hin: Bitcoin droht bei anhaltender Eskalation der Bruch unter 60.000 USD - Warum der Nahostkonflikt nun auch Altcoins stärker belasten dürfte

Vom GOTARIS Editorial Team - 1. April 2026

Seit unserem ersten Artikel vom 4. März hat sich die Lage nicht zügig beruhigt. Der Krieg befindet sich inzwischen in seiner fünften Woche, die IEA warnt vor nochmals steigenden Lieferausfällen im April, und zugleich signalisieren Donald Trump und Marco Rubio, dass Washington ein Ende der Operation binnen Wochen für möglich hält.[1] Bitcoin notiert am 1. April dennoch nur bei rund 68.500 USD und damit zwar klar über den Kriegstiefs, aber ohne bestätigten nachhaltigen Ausbruch.[2]

Bitcoin zeigt damit Resilienz, aber keinen Safe-Haven-Modus. Laut CoinDesk erholte sich BTC zwar vom Rücksetzer unter 65.200 USD wieder in den Bereich um 67.500 USD, zugleich lagen größere Altcoins zum Monatsende bereits 3 bis 8 % im Wochenminus.[2] Das Muster ist klar: Bitcoin hält sich besser als viele Altcoins, wird aber weiterhin primär als liquides Risk Asset und nicht als klassischer Krisenschutz gehandelt.[2][8]

Der dominante Makrokanal bleibt Öl. Reuters berichtet, dass die Brent-Prognose für 2026 in der jüngsten Reuters-Umfrage von 63,85 USD auf 82,85 USD angehoben wurde - der stärkste Sprung in dieser Erhebung. Parallel warnt die IEA, dass sich die durch den Krieg verursachten Lieferausfälle im April gegenüber März weiter verschärfen könnten.[1][3] Solange die Straße von Hormus eingeschränkt bleibt und Öl deutlich über dem Vorkriegsniveau notiert, steigen Inflations- und Wachstumssorgen zugleich.[1][3]

Genau das belastet Bitcoin. Die Fed hat den Leitzins am 18. März bei 3,50 bis 3,75 % belassen. Powell verwies ausdrücklich darauf, dass der starke Anstieg der Ölpreise infolge der Störungen im Nahen Osten die kurzfristigen Inflationserwartungen nach oben gedrückt habe; der Median der FOMC-Teilnehmer sieht den Federal Funds Rate zum Jahresende weiter bei 3,4 %.[4] Anders formuliert: Der Krieg erzeugt bisher kein sofort bullisches Liquiditätsregime für Bitcoin, sondern vor allem höheren Inflationsdruck und damit geringeren Spielraum für schnelle Zinssenkungen.[4]

Hinzu kommt die zyklische Perspektive. Benjamin Cowen argumentiert, dass Bitcoin in Midterm-Jahren häufig bis in den Februar hinein fällt, in den frühen März rallyt und anschließend wieder in den April hinein schwächer wird. In einem weiteren Post bezeichnete er Schwäche bis in die erste Aprilhälfte hinein ausdrücklich als seinen Base Case.[5] Diese Sicht passt auffallend gut zum aktuellen Marktbild: eine Erholung von den Kriegstiefs, aber bislang ohne Trendbestätigung.[2][5]

Es gibt allerdings auch Gegenkräfte. U.S.-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten im März netto 1,32 Mrd. USD Zuflüsse und damit den ersten positiven Monat seit Oktober. Das spricht dafür, dass institutionelles Dip-Buying vorhanden ist.[6] Entscheidend ist aber, dass selbst diese Zuflüsse bislang keinen sauberen Ausbruch erzeugt haben. Der Markt kauft Rücksetzer, aber noch nicht mit der Überzeugung, die für einen belastbaren neuen Aufwärtstrend nötig wäre.[2][6]

Iran-spezifisch bleibt ein zweiter Effekt relevant: die reale Nutzung von Krypto in Krisenregionen. Reuters berichtete bereits Anfang März, dass 10,3 Mio. USD iranische Börsen verließen; allein in der Stunde nach Beginn der Angriffe lagen die Abflüsse laut Chainalysis bei mehr als 2 Mio. USD.[7] Das bestätigt das langfristige Narrativ von Bitcoin und Stablecoins als Instrumente für Kapitalflucht und Werttransfer in geopolitischen Stressphasen. Für den kurzfristigen Preis überwiegt jedoch derzeit der Makrokanal über Öl, Inflation und die Fed.[4][7]

GOTARIS verschiebt daher den Base Case gegenüber dem ersten Artikel klar nach unten. Unser Basisszenario lautet nun: anhaltende Eskalation im Nahen Osten, weitere BTC-Schwäche im April und ein Breakdown unter die Marke von 60.000 USD.[1][3][4][5] Diese Einschätzung stützt sich nicht auf ein singuläres Signal, sondern auf die Kombination aus geopolitischer Eskalation, erhöhtem Ölpreisniveau, restriktiverem Zinsausblick und dem von Cowen beschriebenen Midterm-Muster.[3][4][5]

Diese Schwäche dürfte sich nicht auf Bitcoin beschränken. Im Gegenteil: Sie würde sich typischerweise noch stärker im Altcoin-Segment spiegeln. Dass sich dieser Effekt bereits andeutet, ist am aktuellen Tape ablesbar: CoinDesk meldete größere Altcoins Ende März mit 3 bis 8 % Wochenverlust, Barron’s berichtete am 31. März von rund -2,2 % bei Ether und -3 % bei XRP, während Bitcoin im selben Umfeld weniger stark nachgab.[2][8] Fällt BTC tatsächlich unter 60.000 USD, wäre aus GOTARIS-Sicht bei vielen Altcoins mit überproportionalen Drawdowns zu rechnen.

Erst eine glaubwürdige Deeskalation, ein nachhaltiger Rückgang des Ölpreises und eine erneute Lockerung der finanziellen Rahmenbedingungen würden dieses bearische Basisszenario entkräften.[1][3][4]

[1] Reuters, "Rubio says US can see 'finish line' on Iran war", 1. April 2026; Reuters, "IEA warns Middle East oil disruptions set to hit Europe in April", 1. April 2026. (reuters.com)

[2] Bitcoin-Kursdaten vom 1. April 2026; CoinDesk, "Bitcoin holds $67,500 as Trump signals he may end Iran war with Hormuz still shut", 31. März 2026. (coindesk.com)

[3] Reuters, "Iran war shock drives steepest hike yet in oil price forecasts", 31. März 2026; Reuters, "Dollar lower against yen and euro as Middle East ceasefire hopes rise", 1. April 2026. (reuters.com)

[4] Federal Reserve, "Federal Reserve issues FOMC statement", 18. März 2026; Federal Reserve, "Transcript of Chair Powell's Press Conference", 18. März 2026; Federal Reserve, "Summary of Economic Projections", 18. März 2026. (federalreserve.gov)

[5] Benjamin Cowen (@intocryptoverse), X-Posts vom 25. Februar 2026 zum Midterm-Muster und zum Base Case einer Schwäche in der ersten Aprilhälfte. (x.com)

[6] CoinDesk, "U.S. BTC ETFs post first monthly inflows since October", 1. April 2026. (coindesk.com)

[7] Reuters, "Millions of dollars in crypto left Iranian exchanges after strikes, researchers say", 3. März 2026. (reuters.com)

[8] CoinDesk, "Bitcoin holds $67,500 as Trump signals he may end Iran war with Hormuz still shut", 31. März 2026; Barron’s, "Bitcoin, XRP Prices Fall. Strategy's Latest Move Reveals Cryptos' Dilemma.", 31. März 2026. (coindesk.com)

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Gotaris Research Team

Das Gotaris Research Team analysiert täglich die Kryptomärkte und liefert fundierte Einblicke zu Layer-1 Projekten, DeFi-Protokollen und makroökonomischen Entwicklungen.